Die Bundeswehr hat inzwischen eine eigene Tradition

Geschrieben von: Redaktion   

Reinhold RobbeMenschen, die Gesundheit und Leben für Deutschland einsetzen, sollen nach Ansicht von Reinhold Robbe gewürdigt werden. Zur Diskussion um den von Verteidigungsminister Thomas de Maizière vorgeschlagenen Veteranentag hat Alexandro Peduto von der sächsischen Zeitung "Freie Presse" mit Reinhold Robbe gesprochen.

Sehen Sie die Gefahr, dass ein Veteranentag für gefallene Bundeswehrsoldaten im Ausland aufgrund der deutschen Geschichte kritisch gesehen wird?

Reinhold Robbe: Ganz im Gegenteil. Ich bin Verteidigungsminister de Maizière sehr dankbar, dass er meinen Vorschlag aufgegriffen hat. Wir müssen uns endlich klar darüber sein, dass die Nachkriegsgeschichte beendet ist. Die Bundeswehr existiert seit über 50 Jahren. Sie hat inzwischen eine eigene Tradition. Sie hat leider auch seit ihrer Gründung viele Oper zu beklagen. Verwundete und Gefallene. Deshalb ist es dringend erforderlich, die Menschen besonders zu würdigen, die Gesundheit und Leben für unser Land, unsere Demokratie und unsere Freiheit einsetzen. Ein Veteranentag wäre eine gute Möglichkeit.

Wem wird man mit einem solchen Veteranentag gerecht?

Es geht zunächst darum, dass sich unsere Zivilgesellschaft klar darüber wird, was die Soldaten Tag für Tag leisten. Bis heute waren mehr als 300.000 Soldatinnen und Soldaten weltweit in Einsätzen. Tausende sind mit zum Teil schwersten Verwundungen an Leib und Seele zu rückgekehrt. Etliche sind in Gefechten gefallen, allein über 50 Soldaten in Afghanistan. Diese Zahlen machen deutlich, weshalb es gut wäre, an einem besonderen Veteranentag ganz schlicht Danke zu sagen.

Wie sollte ein solcher Tag begangen werden?

Der Veteranentag macht aus meiner Sicht nur dann Sinn, wenn er von ei ner breiten Mehrheit unserer Gesell schaft getragen wird. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, einen Sonn tag im Jahr auszuwählen, um dann in Gottesdiensten, Familientreffen, Begegnungs und Gedenkfeiern die Soldatinnen und Soldaten wenigs tens einmal im Jahr in den Mittel punkt des öffentlichen Interesses zu stellen. Es geht dabei ausdrücklich nicht um Heldenverehrung oder Mi litarisierung unserer Gesellschaft, wie vielleicht Übervorsichtige un terstellen könnten. Nein, auch der Diskurs soll an diesem Tage stattfin den. Aber nicht über die Soldaten, sondern ausschließlich mit den Sol daten. Das wäre großartig.

Wie wird ein Veteranentag von Bundeswehrangehörigen gesehen?

Alle Bundeswehrsoldaten, die ich kenne, sind begeistert von der Idee. Viele glauben aber nicht daran, weil sie schon zu oft enttäuscht wurden. Ich bewundere den Mut unseres Verteidigungsministers, dass er gerade jetzt diesen Vorschlag zur De batte stellt. Seine Fürsprache ist eine gute Basis für die Umsetzung. Er wird garantiert viel Zustimmung von den vielen Verbänden und Or ganisationen bekommen, die sich um Soldaten kümmern. Schön wäre es, wenn auch Kirchen, Gewerk schaften, Kulturschaffende und die Wirtschaft diesen Gedanken unter stützen könnten.

Überrascht es Sie, dass der Vorschlag erst jetzt von der Politik aufgegriffen wird?

Nein, denn ich weiß, wie sensibel in unserem Lande mit derartigen The men umgegangen wird. Das hat na türlich mit unserer Geschichte tun. Wir lebten bis zum Fall der Mauer quasi auf einer Insel der Glückseli gen, hatten mit Auslandseinsätzen und Bündnisverpflichtungen kaum was zu tun. Jetzt sieht die Welt je doch anders aus. Deutschland ge hört zu den reichsten und wichtigs ten Staaten der Welt. Wir können uns heute nicht mehr wegducken, wenn die Staatengemeinschaft un sere Hilfe benötigt. Deshalb brau chen die Soldaten nicht nur eine an gemessene Bezahlung und optimale Ausstattung und Ausbildung, son dern auch ein Mindestmaß an Em pathie, andere nennen es Nächsten liebe. Und dafür ist der Veteranentag ein großartiges Symbol.

 

Quelle: Alexandro Peduto / Freie Presse
Foto: Doreen Bierdel

 
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